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Macht der Gefühle

zum Thema Gefühle

Autor: YodaFan

Das war es, worauf Andreas von Hagen Wert legte.
Disziplin und Ordnung. Heute durfte er zum ersten Mal auf seinen Parkplatz. RA v. Hagen stand dort mit schwarzer Farbe an der Mauer und er parkte seinen silberfarbenen Audi A 6 voller Stolz ein. So hatte er es sein Leben lang gehalten , zieilstrebig auf sein Ziel hingearbeitet. Das Abitur mit 1 bestanden, das 2. Staatsexamen mit Auszeichnung und bald würde sein Name auch offen in der Anwaltskanzlei zu lesen sein, im Moment war er nur einer der Partner. 
Er hatte noch etwas Zeit, um 09.30 war die allmorgendliche Runde beim Chef, ein Ritual, wie er fand, aber darauf legte der Alte nun mal Wert. Sein Telefon klingelte. 

"Anwaltssozietät Walter und Partner, Rechtsanwalt von Hagen, was kann ich für Sie tun?", meldete er sich mit wichtiger Stimme. 

"Hallo Andreas, hier ist Uta, die kleene aus der 11. Klasse, du erinnerst dich bestimmt noch. Ich brauche deine Hilfe als Anwalt, mein Sohn ist angefahren worden beim Spielen, er liegt mit mehrfachen Knochenbrüchen im Krankenhaus und der Unfallfahrer ist einfach weitergefahren. Die Polizei hat einige Spuren gesichert, aber noch keinen Täter, kannst du mich vertreten, am Geld soll es nicht scheitern." 

Ihre Stimme war am Ende fast flehend geworden. 
Uta, 11a, klar konnte er sich erinnern, und ein kleines Kind , mehrere Knochenbrüche , Unfallflucht, der Fall passte zu ihm, um ihn bekannter zu machen.

" Kannst du heute , Moment, im Kalender nachsehen, ja ,15.00 Uhr bei mir im Büro sein und alles mitbringen was du hast, ich sehe es mir an. Du findest uns in der Lindenallee 11, die rote Backsteinvilla."

"Einverstanden, heute 15.00 Uhr, danke Andreas", verabschiedete sich Uta am Telefon.

Andreas von Hagen sinnierte kurz. 
Er versuchte sich die Frau vorzustellen, nur es gelang ihm nicht. Frauen hatten ihn damals wie heute nicht interessiert, und brauchte er mal was für´s Bett, da gab es andere Möglichkeiten. 

09.30, das Büro von Klaus Walter, dem Seniorchef.
Am runden Konferenztisch sassen neben ihm und Andreas von Hagen noch 3 andere Anwälte.

"Wir haben wieder mal einen diskreten Fall zu lösen", begann Klaus Walter. 
"Der Regierungspräsident hatte mit seinem Privatwagen einen Unfall. Dabei kam unglücklicherweise ein kleiner Junge zu Schaden, der jetzt im Krankenhaus liegt. Ich werde diesen Falll persönlich übernehmen, der Regierungspräsident darf auf keinen Fall in der Öffentlichkeit beschädigt werden, so kurz vor den Wahlen. Absolute Diskretion für alle, verstanden?"

Alle nickten, nur Andreas von Hagen schüttelte ungläubig den Kopf. 
"Herr von Hagen...?"

"Herr Walter, ich hatte vorhin einen Anruf einer ehemaligen Klassenkameradin, deren Sohn Opfer eines fahrerflüchtigen Unfallfahrers wurde..."

"Wir reden später darüber!"

Zehn Minuten später sassen die beiden Anwälte unter 4 Augen zusammen.

"Sie werden das Mandat nicht annehmen. Wir können als Sozietät nicht beide Parteien vertreten, das verstehen Sie doch. Sie haben zu viele andere Fälle, sie soll sich einen anderen Anwalt suchen, gibt ja schliesslich noch mehr. Alles klar?"

"Ja ," murmelte von Hagen und verliess das Büro.
Die Stimme von Ute schwirtrte in seinem Kopf herum und weil er Zeit hatte, unternahm er einen kleinen Spaziergang. Er musste eine Entscheidung treffen.

15.00 Uhr, er hatte vorsorglich einen hohen Berg Akten auf seinen Schreibtisch gepackt, schliesslich war er ja vielbeschäftigt. Es klopfte an der Tür und Uta trat herein. Sie war etwa 1,75 groß, schlank und hatte lange blonde Haare. Die tiefen Falten in ihrem Gesicht zeigten eine schlaflose Nacht an, denn, das musste Andreas von Hagen zugeben, sie war eine aparte Frau. 

Er sah sich die Unterlagen, die Uta mitgebracht hatte, lange an. 
Weil er wusste, wer der Täter war, sah er rein juristisch gute Chancen für einen Prozess. Nur, er war zum Schweigen verdonnert. 

"Ja, Uta, was soll ich sagen? Solange wir nicht wissen, wer der Täter ist, wie soll ich dich vertreten, und gegen wen? Und ausserdem, sieh dir das an", wobei er auf den Schreibtisch wies, "ich habe ausreichend Fälle abzuarbeiten."

Uta sah in mit ihren blauen Augen fest an. 

"Andreas, ich habe Psychologie studiert und betreibe eine eigene Praxis, ich durchschaue dich. Ihr kennt den Täter, deshalb lehnst du das Mandat ab. Karrieregeil wie damals schon". 

Ihre Augen blitzten böse.

"Solltest du dich, wider Erwarten, anders entscheiden, hier ist meine Karte." 

Sie warf eine Visitenkarte auf den Tsich und verschwand. 

Andreas von Hagen sass in seienm Apartment und drehte das Whiskyglas in der Hand. 
Er, der immer kühl und besonnen seine Karriere verfolgt hatte, fühlte sich zu einer Frau hingezogen. Er wusste nicht, war sie verheiratet, gab es einen Mann in ihrem Leben. Was hatte sie nach der Schule erlebt. Sollte er all das, auf das er hingearbeitet hatte, jetzt aufgeben? Er wusste, dass der Alte nicht zögern würde ihn zu feuern, wenn er das Mandat annehmen würde. Andererseits, war es gerecht, dass der Regierungspräsident davonkam, nur weil er die Beziehungen und die Macht hatte?

Er holte die Visitenkarte hervor und wählte die Mobilfunknummer.
"Entschuldige die späte Störung Uta, ich habe lange mit mir gerungen. Ich werde dich vertreten. Wann und wo können wir uns treffen?"

Sie vereinbarten 12.00in einem kleinen Restaurant am Marktplatz. 
Am nächsten Morgen sass der junge Rechtsanwalt von Hagen wieder im Büro von Klaus Walter.

"Herr Walter, ich werde das Mandat meiner ehemaligen Klassenkameradin annehmen, auch wenn es mich hier meine Stelle und Karierre kosten wird. Nur, wir sind dafür da, Bürgern zum Recht zu verhelfen, nicht, Prominenten oder Politikern dabei zu helfen einer gerechten Strafe zu entkommen."

Was erlauben Sie sich..", Klaus Walter war aufgesprungen.

"Ich arbeite jetzt seit 2 Jahren hier. Ich weiss, wie geklungelt wird. Die 2 Fälle, die ich hier noch vertrete, werden Sie wohl an andere Kollegen abgeben, ich werde mich auf meinen ersten eigenen konzentrieren."

Als Andreas von Hagen wenige Minuten vor 12.00 Uhr das Restaurant betrat, hatte er sein Büro bereits geräumt und seine persönlichen Sachen im Auto verstaut. Uta hatte dafür eine gute Nachricht für ihn. In dem Bürogebäude, in dem sie ihre Praxis hatte, war ein Büro frei geworden, und relativ preiswert anzumieten. 

So hatte der Rechtsanwalt von Hagen in den darauffolgenden Wochen viel zu tun. Er richtete seine eigene Praxis ein und trieb seinen ersten großen Fall weiter voran. Auf seinen Tip hin untersuchte die Polizei den Privatwagen des Regierungspräsidenten, und identifizierte ihn als das Unfallfahrzug. Gegen alle Widerstände aus der Politik, und von seinen ehemaligen Kollegen, gewann er für seine Mandantin Uta den Prozess, stürzte den Regierungspräsidenten, und wurde von Teilen der Presse für die Wahlniederlage von dessen Partei verantwortlich gemacht. Er begründete damit aber auch seinen Ruf als excellenter Anwalt, der inzwischen mit einer ebenso excellenten Psychologin zusammenarbeitete. 

Das das Zusammenwirken des Anwalts und der Psychologin auch privat funktionierte, und die Macht der Gefühle aus dem kühlen, berechnenden Advocaten einen liebevollen Ehemann und Ersatz-Vater eines Kindes gemacht hatte, dass wussten nur wenige, und das blieb auch so.