Eine Hotelreception wie viele andere auch, nachmittags, geschäftiges Treiben. Eine Frau mittleren Alters kommt und spricht die Receptionistin an. "Guten Tag, ich möchte Sie mal was fragen. Ich komme aus London und möchte hier gerne einen Staubsauger kaufen. Nur ich war schon in so vielen Geschäften, den, den ich suche , habe ich nirgendwo gefunden. Können Sie mir weiterhelfen?" "Welche Marke suchen Sie denn, Miele, Siemens, Bosch oder was?" "Ich suche einen Vorwerk!" Kurzes Schweigen an der Reception. "Ja, mein Kollege Rainer hat früher mal für Vorwerk gearbeitet, der kann Ihnen vielleicht weiterhelfen." Rainer hatte die letzten Worte gehört und sprach die Frau direkt an. "Sie können Vorwerk in keinem Geschäft finden, weil diese Staubsauger nur direkt beim Kunden verkauft werden. Ich kann mal einen ehemaligen Kollegen anrufen, vielleicht können wir Ihnen ja helfen" Die Frau nickte dankbar. "Hallo Jürgen, hier ist Rainer, kennst du mich noch?" "Klaro, nur im Moment ist es ganz ungünstig, bin gerade in einer Vorführung. " "Ich habe nur ne kurze Frage, bei mir steht ein Gast an der Reception, der möchte einen Vorwerk kaufen, wie schnell kannst du einen besorgen?" "Rainer, du kennst doch die Zeiten, ne Woche mindestens!" "Du hast 24 Stunden, sonst kein Geschäft!" "Vergiss es , impossible." Jetzt schaltete sich die Frau ein."Ich möchte keinen neuen, ich möchte einen 121-er." "Jürgen, der Gast möchte einen 121-er, was lässt sich da machen?" "Das ist machbar, 150€ und ein Paket Filtertüten packe ich dazu. " "Morgen , 15.15. Uhr an meiner Hotelreception, einverstanden?" "Gebongt." Rainer wandte sicb an die Frau, die interessiert zugehört hatte. "So, morgen ab 15.15 Uhr kommt ein ehemaliger Kollege mit einem gebrauchten 121-er und einem Paket Tüten vorbei, Sie müssten aber bar bezahlen. " Die Frau strahlte und bedankte sich überschwänglich. Abends klingelte Rainers Handy. "Jürgen hier, sag mal, das war ein Scherz heute nachmittag, oder?" "Nein Jürgen, die Frau hat etliche Geschäfte abgeklappert, um einen Vorwerk zu finden, das war Ernst. Sag, bloss, dui hast keinen 121-er auf Lager?" "Doch habe ich, es klang nur so unwirklich, bis morgen" Kurz nach 15.00 des nächsten Tages. Ein älterer Mann mit einer großen blauen Tüte und mehrerer kleineren Tüten in der Hand geht zielstrebig auf die Reception zu. "Hallo Rainer, hier bin ich, wo ist denn dein Gast?" Eine Frau erhob sich aus einem der Ledersessel in der Lobby. "Haben Sie meinen Vorwerk?" "Ja, und ich möchte Ihnen das gute Stück kurz vorführen und erklären". Das war Jürgens grosse Stärke, der konnte Leute in Grund und Boden quatschen und würde den Eskimos sogar Gefrierschränke verkaufen. Inzwischen hatte sich die Lobby gefüllt, es war ja auch ungewöhnlich,eine Vorwerk-Präsentation in einem Hotel. Einige Hotelmitarbeiter, die privat ebenfalls einen vorwerk ihr eigen nannten, nutzten die Gelegenheit, sich mit Filtertüten, neuen Bürsten oder Microfiltern einzudecken. Nach einer Stunde hatte Vertreter Jürgen knappe 300 Euro cash eingenommen, zusammen mit dem regulären Verkauf am Vormittag war er zufrieden und beschloss, seine Frau zu überraschen und Feierabend zu machen. In den Vorwerk - Runden war dieser Verkauf jedenfalls noch einige Zeit ein Thema, so ungewöhnlich, wie er war.