Heute war das Abschlusskonzert im Stadion des 1.FC Union Berlin, der Alten Försterei, der als einer der Unterstützer dieser Aktion sein Stadion mietfrei zur Verfügung stellte. Die Idee für diese Aktion entstand vor etwa 9 Monaten bei den Jusos, und wurde mit Hilfe der SPD, des DGB, der AWO und vieler anderer umgesetzt. Es war ein Bandwettbewerb, offen für alle Stilrichtungen, Rock, Punk, Hiphop, Metall, nur gegen Nazis musste es sein. Den Siegern winkte ein Auftritt beim heutigen Abschlusskonzert, wo die besten 3 neben Jeanette Biedermann, The Boss Hoss, RENFT, Harry und Sido und anderen auftraten. OOMPH mussten leider wegen eines Bandscheibenvorfalls eines Bandmitglieds absagen. Es waren 3 Rockbands, die ich durchweg weiterempfehlen kann. Auf Platz 3 Empty Guns, auf Platz 2 HeMaTom, die mir am besten gefielen. Punkrock aus Freiberg, hart, schnörkellos und mit Texten, die deutlich waren. Der 1.Platz ging an Cosma aus Berlin. Moderiert wurde das ganze von Claas von MTV und dem Unioner Stadionsprecher Christian Arbeit, die sich die Bälle gekonnt zuspielten. Der Unioner motivierte die zahlreichen anwesenden Union Fans immer wieder zum Singen der Vereinshymne. In den Umbauphasen kamen Vereine und Initiativen zu Wort, die gegen Rechts auftreten, Aktionen organisieren. Und, schliesslich ist Wahlkampf und die SPD war Mit-Veranstalter, Kajo Wasserhövel, der Bundesgeschäftsführer der SPD, gemeinsam mit der Juso-Chefin Drohsel. Wasserhövel nutzte die Gelegenheit dezent, um auf seine Mitgliedschaft bei Union hinzuweisen. Er ist ja der Direktkanditdat der Sozialdemokraten im Bundestagswahlkreis Treptow-Köpenick, in dem das Stadion liegt und viele Besucher wohnen, und sein Kontrahent ist kein geringerer, als der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi. Da wird natürlich um jede Stimme gerungen. Aber das nur am Rande. Musikalisch war für jeden was dabei, ein Konzert mit Künstlern, die so sonst nie auf einer Bühne stehen würden. Neben den 3 Siegerbands stand eine der dienstältesten Rockbands der Welt, seit nunmehr 51 Jahren existierend, auf der Bühne ... RENFT. Und die Herren liessen es richtig krachen! 35 Minuten feinster Rock´n Roll. Natürlich mit ihren Hits "Apfeltraum" und "Wer die Rose ehrt..". Leider konnten sie, wie übrigens keine Band, wegen des engen Zeitplanes, keine Zugabe geben. Mic Donet & Qietstorm boten mit "Jemand da?" eine wunderschöne Ballade. Es war nur zu früh für Feuerzeuge, noch zu hell. SIDO, Lokalmatador aus Berlin, trat mit Harry als "Soundmachine" auf, und lief zu den Klängen des Ärzte-Songs "Schrei nach Liebe", immer von seinem Bodyguard verfolgt, erstmal durch die Massen und forderte die Besucher auf, bei "A..loch " laut mitzusingen, ehe die Beiden mitreissenden HipHop und 'Rap boten. Ebenfalls aus Berlin, und ich kann ihn wirklich empfehlen, Rainer von Vielen. Ja, der Mann heisst wirklich so. Texte mit Tiefgang, pendelnd zwischen Rap und Rock, das Publikum begeisternd. Als Vorletzte Jeanette Biedermann, gewohnt souverän, klasse Auftritt. Bevor die letzte Band kam, hatten Organisatoren nochmal ihren Auftritt. Unter anderm auch der Bundesaussenminister und Kanzlerkandidat der SPD, Steinmeier. Als kleine Anekdote am Rande, als er anfangen wollte zu sprechen, schallte ihm aus hunderten Kehlen ein "hier regiert der FCU" ( Union Berlin) entgegen, was er nach einer Weile mit den Worten konterte: "Es wiederspricht Euch doch gar keiner". Kurz und knapp schilderte er, dass er in den letzten Wochen in Sachsen, Thüringen, dem Saarland und NRW während seiner Wahlkampfauftritte immer wieder NPD Plakate gesehen habe. "Widerlich", und er möchte nicht in einem Land leben, in dem daraus wieder eine Situation entsteht, in der der braune Mob wieder andersdenkende, anderseiende, anderaussehende durch die Strassen jagt. Dafür bekam er von allen Applaus. Als Abschluss, the Boss Hoss mit Country Rock vom Feinsten. Mundharmonika Soli, einfach grandios. Fazit: Ein Wettbewerb, der den von der NPD produzierten CDs auf dem Schulhof etwas qualitativ besseres entgegensetzt, weil auch bekannte Bands auf der CD vertreten sind. Ein Konzert, bei dem jeder auf seine Kosten kam, und mehr als 5000 Besucher, die in dem Berliner Bezirk in dem die NPD ihre Bundeszentrale hat und in der Bezirksverordnetenversammlung sitzt, ein deutliches Zeichen gegen Rechts setzten. Ich wünsche mir mehr davon, nicht nur vor Wahlen.