Er hatte sie zum Kaffee eingeladen, und den ganzen Vormittag die Wohnung aufgeräumt und geputzt. Nichts sollte dem Zufall überlassen bleiben. Er pfiff fröhlich vor sich hin. Kerzen standen auf dem Tisch, auf dem Plattenteller lag ein Schallplatte, mit Kuschelmusik. Ja, sowas altertümliches besaß er noch. Nur der Kuchen war gekauft, denn das Backen hatte er nie gelernt. 14.30 Uhr! Er verschwand unter der Dusche, 30 Minuten hatte er noch. Er zog eine frische Jeans und ein T-Shirt an, das seine muskulöse Figur betonte. Es läutete. Da stand sie vor der Tür, eine enge schwarze Lederhose, eine weiße, halb durchsichtige Bluse, die langen blonden Haare offen, traumhaft. Er nahm ihre Hand und geleitete sie ins Wohnzimmer zum Esstisch. „Setz dich“, bat er und lächelte sie an. „Wie möchtest du den Kaffee?“ „Schwarz ohne alles, und setzt dich neben mir“. Ihre Stimme jagte ihm Schauer über den Rücken. Er setzte sich neben sie und sie legte den Kopf an seine Schulter. „Erzähl mir von dir,“ bat sie. Er begann, dass er gelernter Schlosser war, später Maschinenbau studierte, als Ingenieur arbeitete, heute seine eigene Firma hatte. Er sprach von seinen Kindern, ein Junge , ein Mädchen, beide erwachsen, er ein angesehener Arzt mit eigener Praxis, sie Journalistin. Er erwähnte seine Hobbies, Theater, gute Bücher, lange Spaziergänge. Und er streifte kurz seine verstorbene Frau, Sibylle, die vor 3 Jahren an Darmkrebs gestorben war. Bis zuletzt hatte er sie gepflegt, hatte an ihrem Bett gesessen, ihre Hand gehalten, obwohl sie ihn schon nicht mehr erkannte. Seine Stimme war leise geworden am Ende. Er bat sie, von sich zu erzählen. Sie hatte Verkäuferin gelernt und war heute Regionalleiterin einer großen Modevertriebskette. Auch sie mochte gute Bücher, und besuchte,sooft sie konnte, Theateraufführungen. Ihr Sohn lebte als Manager in den USA, und, ihre Stimme wurde leiser, ihr Mann war bei einem Autounfall vor 2 Jahren gestorben. Er goss Kaffee nach und nahm sie in die Arme. Sie waren beide Anfang 50, hatten ihre Partner verloren und erwachsene Kinder. Sie hatte ihre Arme um seinen Nacken gelegt und küsste ihn zärtlich. „Ich mag dich, Kuschelbär“, flüsterte sie. „Ich dich auch“, sagte er leise. „Was hälst du von einem Spaziergang in den Abend?“ Sie stimmte zu. Der Park war fast leer, nur einige Jogger drehten ihre Runden. Ihre Hände lagen ineinander, es war schön die Nähe des andern zu spüren. „Wie bist du letztens eigentlich in meine Wohnung gekommen?“, fragte er lächelnd. „Du hattest die Tür offen gelassen und ich war so frei", lächelte sie zurück, „danke nochmal für den schönen Nachmittag.“ Ihr Kopf lag wieder auf seiner Schulter. Später, auf einer Bank sitzend, sahen sie dem Sonnenuntergang zu, bevor sie langsam nach Hause schlenderten.