Sie stieg in sein Auto und sah ihn erwartungsvoll an. "Wohin fahren wir?" "Lass dich überraschen", grinste er und fuhr los, aus der Stadt heraus, in Richtung eines alten Industriegebietes. Ihr wurde etwas mulmig, was wollte er hier? Sie romantisch verführen, hier? Nein, das passte nicht zu ihm... Nach etwa 20 Minuten waren sie angekommen und hielten vor einem alten Haus. Er öfnete ihre Tür und bat sie heraus. "Komm mit", sagte er und nahm ihre Hand. Die Treppe knarrte, als sie nach oben stiegen, es war düster und ihr ein wenig unheimlich. Was wollte er hier mit ihr? Sie traten durch eine breite, hohe Tür in einen großen Saal. Dieser war frisch gestrichen, alles in weiss. Sie sah Haltestangen an den Wänden, in einer Ecke waren grosse, dicke Gummimatten ausgebreitet. In der Mitte dieses Saales stand ein älterer Mann und lächelte die beiden an. Anke stand im Eingang und liess das alles auf sich wirken. Woher kannte sie diesen Mann? "Hans?, fragte sie leise, unsicher. "Ja, Anke", antwortete dieser. "Hans, du bist es?", sie ging langsam auf ihn zu. Wie lange hatte sie ihn nicht mehr gesehen, mehr als 20 Jahre. Und was sollte das alles jetzt, sie war verwirrt. "Ja, Anke, ich bin es, guten Abend und herzlich willkommen". "Was soll das alles hier, woher kennst du ... und überhaupt", rang Anke nach Worten. Hans lächelte milde. "Ich weiss, dass du überrascht bist, deinen ersten Tanzlehrer hier wiederzusehen. Ich wäre es auch. Rainer hat mir von euch erzählt, von dem Traum gemeinsam zu tanzen. Ich eröffne hier ein neues Tanzstudio, das Gebiet hier soll ausgebaut werden für Künstler, kreative Menschen, dort drüben sollen Lofts entstehen. Ich habe mir den Saal hier gesichert, und ihr seid meine Freunde. Wenn ihr wollt, könnt ihr hier üben, es ist alles da. Und, woher ich Rainer kenne, das soll er dir mal schön allein erzählen." Anke sah Rainer fragend an. "Ich war der Juniorpartner von Hans erstem Tanzstudio, wir betrieben es gemeinsam. Meine verstorbene Frau war meine Tanzpartnerin, lange Jahre, bis sie schwer krank wurde. So musste ich das Studio und das Tanzen aufgeben. Ich habe sie bis zu ihrem Tod gepflegt. Um Geld zu verdienen ging ich in meinen alten Beruf als Elektriker zurück, lernte dazu, was mir fehlte und fand die Anstellung im Krankenhaus. Der Kontakt zu Hans ist nie abgebrochen und als er mir heute sagte, dass er dein erster Tanzlehrer war, haben wir das hier geplant. Ich möchte mit dir wieder tanzen". Rainer hatte Ankes Hände genommen und hielt sie fest, während er in ihre Augen sah. Sie hatte Tränen in den Augen, zog Rainer zu sich heran und schmiegte sich fest an ihn. "Das machen wir, Rainer", flüsterte sie. Hans hatte auf einen kleinen Tisch drei Gläser und eine Flasche Rotwein gestellt, und lud die beiden ein anzustossen. "Das muss gefeiert werden", meinte er. Das Klingen der Gläser hallte lange nach.